Riskante Wechselwirkung: Betablocker-Augentropfen und Asthmamittel

Grüner-Star-Patienten mit Asthma besonders beratungsbedürftig

Hannover, 02.08.2018 – Glaukom, die auch als Grüner Star bekannte Augenerkrankung, kommt schleichend und ist daher besonders tückisch. Laut Initiativkreis zur Glaukom-Früherkennung e.V. leben in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen mit einem Glaukomrisiko, rund 800.000 Menschen sind bereits erkrankt. Hauptursache ist ein erhöhter Augeninnendruck, der durch überschüssiges Kammerwasser im Auge entsteht und den Sehnerv lange ohne auffällige Symptome schädigt und zur Erblindung führen kann. Durch die Therapie mit einem Betablocker in Form von Augentropfen kann das Kammerwasser verringert, der Druck reduziert und der Krankheitsverlauf verlangsamt oder gestoppt werden, weiß die Apothekerkammer Niedersachen.

Allerdings ist das Risiko von Wechselwirkungen zwischen Betablocker-Augentropfen und Asthmamitteln, die über den Mund eingenommen werden, besonders hoch. Daher sollten sich Patienten vor Therapiebeginn oder wenn sich ihr Asthma-Zustand verschlechtert unbedingt beraten lassen.

Häufige Wechselwirkungen mit Asthmamitteln

Was die meisten Patienten nicht wissen: Nur rund 20 Prozent der lokal angewendeten Betablocker-Tropfen wird durch die Bindehaut und die äußere Augenhaut aufgenommen. Deren Hauptanteil gelangt durch den Nasen-Rachenraum und über die Schleimhaut direkt in den Blutkreislauf – vergleichbar mit einer langsamen intravenösen Gabe. Dadurch kann es bei Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen, zu Wechselwirkungen kommen. Ein besonders hohes Risiko liegt bei Betablocker-Tropfen und oral eingenommenen Asthmamitteln vor. Patienten, die unter der Therapie häufiger unter Bronchospasmen, einer Muskelverkrampfung rund um die Atemwege, leiden oder eine Verschlechterung ihres Asthmas feststellen, sollten Rücksprache mit dem Arzt halten. Auch bei einer Neuverordnung ist ein ausführliches Gespräch unbedingt nötig. Die Apotheke vor Ort kann Unsicherheiten nehmen und Patienten zu möglichen Wechselwirkungen beraten.

„First-Pass-Effekt“

In der Glaukom-Therapie gehören am Auge anwendbare Betablocker zu den Mitteln der ersten Wahl. Doch im Gegensatz zu oral eingenommenen Medikamenten wird bei Augentropfen der „First-Pass-Effekt“ in der Leber, ein wichtiger Entgiftungsmechanismus unseres Körpers, umgangen. Der Wirkstoff gelangt ungefiltert über die große Schleimhautoberfläche in die Blutbahn. Nehmen Patienten gleichzeitig Asthmamittel ein, kann es zu riskanten Arzneimittelwirkungen kommen. Soll ein erhöhter Augeninnendruck behandelt werden, so muss der Augenarzt unbedingt von einem bestehenden Asthma und der dazu gehörigen medikamentösen Therapie informiert werden. Er wird dann nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung entscheiden, welche Augentropfen eingesetzt werden können. „Start low go slow“, nach dieser Devise wird die Therapie mit einer niedrigen Wirkstoffkonzentration gestartet und dann langsam gesteigert.

Nicht auf Glaukom-Therapie verzichten

Ist die Gabe eines Betablockers notwendig, kann die Aufnahme über die Schleimhäute durch einen Kniff bei der Applikation verringert werden. Die Apothekerkammer Niedersachsen rät dazu, durch leichten Druck auf den nasalen Augenwinkel über einen Zeitraum von ein bis drei Minuten die Tränenkanälchen zu verschließen. Damit wird das Abfließen in den Nasenrachenraum und damit die Resorption des Wirkstoffs über die Schleimhaut vermindert. Sollte der Einsatz Betablocker-Augentropfen bei einem Glaukompatienten nicht in Frage kommen, so stehen alternativ andere Wirkstoffe zur Verfügung.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

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