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Panagiota Fyssa

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Tinnitus beeinträchtigt Lebensqualität

Ohrgeräusche sind keine Einbildung

Hannover, 05.11.2020 – Ein lautes Piepen, ein schriller Dauerklingelton, ab und zu ein Brummen: So unterschiedlich Ohrgeräusche ausfallen, so verschieden sind auch die Auslöser der unangenehmen Begleitgeräusche. Je nach Schweregrad und persönlichem Leidensdruck können sie die Lebensqualität beeinträchtigen – mit erheblichen Folgen wie Stress, Schlaflosigkeit, Depressionen und emotionaler Erschöpfung bis hin zur Arbeitsunfähigkeit oder Suizid. Die Apothekerkammer Niedersachsen rät Betroffenen, die Ohrgeräusche nicht einfach hinzunehmen.

Im Gespräch mit dem Arzt sollte zunächst geklärt werden, ob mögliche primäre Grunderkrankungen der Auslöser sind. Überbrückend bis zum Arztbesuch können rezeptfreie Ginkgo-Präparate, die die Durchblutung verbessern, zum Einsatz kommen. Voraussetzung: Es sprechen keine weiteren Erkrankungen oder andere Medikamente gegen die Einnahme. Betroffene sollten sich in der Apotheke vor Ort sachkundig zur Dosierung eines qualitativ hochwertigen Präparates beraten lassen. Hier finden Betroffene auch Rat, die wegen ihrer Ohrgeräusche unsicher sind.

Tinnitus: Physiologische Ursache nur in Ausnahmefällen
Liegt eine gestörte Hörwahrnehmung vor und hören Betroffene Geräusche ohne Schallquelle, ist von einem Tinnitus die Rede (lat.: tinnire = klingeln). Dabei wird zwischen einem objektiven Tinnitus, sprich: es liegen physiologische Ursachen wie eine Gefäßmissbildung oder neurologische Erkrankung vor, und einem subjektiven Tinnitus unterschieden – davon ist ein Gros der Fälle betroffen. Ein Großteil der akuten Tinnitus-Fälle unterliegt einer Spontanheilung. Besteht der Tinnitus mehr als 3 Monate und wird chronisch, kann er sich trotzdem innerhalb einiger Jahre wieder zurückbilden.

Einseitig oder bilateral
Bei 60 Prozent der Betroffenen tritt Tinnitus einseitig, bei 40 Prozent beidseitig auf. Nimmt der Patient das Geräusch eher im Kopf als im Ohr wahr, wird vom Tinnitus cerebri gesprochen. Die Charakteristik des Ohrgeräusches wird individuell beschrieben. Zudem lassen sich tonale oder nicht-tonale Ohrgeräusche, hohe oder tiefe Frequenzen, variable Lautstärken, variable Zeitmuster (pochend, gleichförmig) und verschiedene Auftrittshäufigkeiten (dauerhaft, vorhanden, phasenweise) unterscheiden.

Vielfältige Auslöser
Die Faktoren, durch die die Ohrgeräusche entstehen, können neurologischen, funktionalen, medikamentösen, infektiösen oder multifaktoriellen Ursprungs sein. Sie können zum Beispiel auf Entzündungen des Hörapparates, Morbus Menière (Innenohrerkrankung mit Schwindelsymptomen) oder einer Verhärtung der Ohrknöchelchen (Otosklerose) zurückgehen. Weitere mögliche Ursachen: Lärmtraumata durch chronische Lärmbelastungen, Hirntumore, Infektionen durch Viren oder Bakterien (Mumps, Masern, Röteln, Meningitis) und Schilddrüsen-, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen. Auch bestimmte Medikamente, zum Beispiel Salicylate, Antibiotika, Chemotherapeutika und Malaria-Medikamente, können Ohrgeräusche auslösen. Doch eigenmächtiges Absetzen der teilweise überlebenswichtigen Arzneimitteln ist Tabu.Die Bandbreite zeigt: Eine Abklärung mit dem Arzt ist unverzichtbar.

Durchblutungsstörung
Stellt der Arzt Durchblutungsstörungen fest, kann zur Verbesserung der Innenohr- und cerebralen Durchblutung ein Ginkgo-biloba-Extrakt eingesetzt werden. Das hierfür zugelassene Arzneimittel verbessert nachweislich die Fließeigenschaften des Blutes, insbesondere der Mikrozirkulation. Betroffene sollten auf qualitativ hochwertige Präparate achten und sich zur für sie passenden Dosierung beraten lassen.

Stressbedingte Ohrgeräusche
Tinnitus ist kein Symptom einer lebensbedrohlichen Krankheit, allerdings auch keine Einbildung. Bei einem subjektiven Tinnitus ist das Geräusch für den Patienten hörbar. Im Gespräch mit dem Arzt sollte besprochen werden, in welcher Lebenssituation der Tinnitus auftritt und in welchen Situationen er erträglich ist.

Hörsturz kommt plötzlich
Ein Hörsturz ist eine plötzlich auftretende Schallempfindungsstörung und tritt häufig simultan mit Tinnitus auf. Durchblutungsstörungen galten lange als eine der Hauptursachen für Tinnitus. Sie können zwar eine mögliche Ursache eines akuten Tinnitus oder Hörsturzes sein, jedoch keine chronischen Zustände mit normalem Hörvermögen erklären. Bei einem akuten Hörsturz wird unter anderem eine andere Hochdosis-Kortison-Gabe vorgeschlagen. Die Evidenz bei akutem Tinnitus ist jedoch unklar. Ohne Auftreten eines Hörsturzes sollte laut europäischer Tinnitus-Leitlinie keine Kortisontherapie erfolgen.

Verhaltenstherapie bei chronischen Beschwerden
Der chronische Tinnitus wird den neuesten Leitlinien gemäß hauptsächlich mit kognitiven Verhaltenstherapien behandelt. So soll der Patient mit der Konfrontationstherapie, die auf dem Angstvermeidungsmodell beruht, lernen, dass der Tinnitus kein Alarmsignal darstellt. Durch die Adaption an das Tinnitusgeräusch und zusätzliche Entspannungsmethoden gelingt es den Patienten, den Teufelskreis zu durchbrechen. Eine Gewöhnung, die Habituation, an die dauerhaften Ohrgeräusche ist sehr wahrscheinlich. Betroffene sollten sowohl Stille als auch übermäßigen Lärm vermeiden, auf eine gute Schlafhygiene achten und mit Entspannungsübungen entgegenwirken.

Präventiv gesund leben
In 99 Prozent der Fälle kann keine physiologische Ursache gefunden werden. Außer einer ohnehin ratsamen gesunden, psychisch stabilen Lebensweise ist daher keine Prävention möglich. Bestimmte Berufsgruppen wie Musiker oder Bauarbeiter sollten ihren Hörapparat gut schützen und ihn regelmäßig kontrolliert lassen.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.800 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

Pressekontakt der Apothekerkammer Niedersachsen:
AzetPR
Susanne Pfeiffer
Wrangelstraße 111
20253 Hamburg
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