Medikamentenwirkung ändert sich im Alter

Therapie mit Hilfe der Priscus-Liste optimieren

Hannover – Menschen in den Industrieländern leben immer länger. Mit dem Älterwerden muss man sich allerdings auf körperliche Veränderungen einstellen. Der Körper und sein Stoffwechsel verändern sich mit den Jahren.

Medikamente, die sonst gut anschlugen, werden nicht mehr vertragen oder sie scheinen ihre Wirkung einzubüßen, weiß die Apothekerkammer Niedersachsen. Deshalb ist es für Patienten wichtig, die Medikation im Beratungsgespräch mit der Stammapotheke und dem behandelnden Arzt mit dem Alter anzupassen.

Gute Erfahrung mit der „Priscus Liste“
Um die Therapie im Alter zu verbessern, gibt es mehrere Listen, in denen die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit diverser Arzneistoffe für ältere Menschen beurteilt wird. In Deutschland hat sich die sogenannte „Priscus-Liste“ durchgesetzt. Die Liste enthält 18 Arzneistoffklassen mit 83 Arzneistoffen, beispielsweise Antibiotika, Schmerzmittel, Antidepressiva oder Beruhigungsmittel. In jeder dieser Klassen gibt es potenziell ungeeignete Medikamente, die für ältere Patienten bedenklich sind. Gleichzeitig werden Alternativen für die Behandlung aufgelistet. Bei Schmerzmitteln muss genau ausgesucht werden, welches Mittel sich für ältere Menschen eignet. Wegen des hohen Blutungsrisikos im Magen-Darm-Trakt sollte zum Beispiel Indometacin gegen Schmerzen und Entzündungen je nach Schmerzart durch Paracetamol, Ibuprofen oder schwach wirksame Opioide ersetzt werden. Ärzte, Apotheker und Patienten müssen eng zusammenarbeiten und die Therapie regelmäßig überwachen. Ratsam ist eine gründliche Nutzen-Risiko-Abschätzung. Falls möglich werden alternative Medikamente gesucht. Medikamente dürfen aber keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker einfach abgesetzt werden. Ältere Menschen sollten alle ihre Medikamente aus einer Stammapotheke beziehen. Dort behält man die Übersicht über die gesamte medikamentöse Therapie, einschließlich der Selbstmedikation. Wechselwirkungen, Unverträglichkeiten und auch Doppelverordnungen werden durch diese engmaschige Kontrolle auf ein Minimum reduziert oder ganz vermieden. Wechselt der Patient die Apotheke häufig, werden solche Veränderungen seltener bemerkt als in einer Stammapotheke.

Beratungsbedarf steigt mit jedem Medikament
Etwa 20 Prozent der 70-jährigen Deutschen nehmen fünf oder mehr Medikamente zu sich, Tendenz steigend. Je mehr verschrieben wird, desto größer ist die Gefahr von Wechselwirkungen. Bei der Einnahme von fünf Medikamenten beträgt die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen 38 Prozent, bei sieben oder mehr Arzneimitteln liegt sie bereits bei 82 Prozent. Auch rund zehn Prozent der Krankenhauseinweisungen von älteren Patienten sind auf arzneimittelbedingte Nebenwirkungen zurückzuführen. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass Nebenwirkungen als neu entstandene Alterserscheinungen fehlinterpretiert und als Symptome therapiert werden. Um solchen unerwünschten Ereignissen vorzubeugen, sollten Apotheker und Ärzte von Beginn an die medikamentöse Therapie ihrer Patienten begleiten. Generell gilt das Prinzip „start low and go slow“ in der Medikation von Patienten fortgeschrittenen Alters. Das bedeutet in der Praxis, dass Patienten unter Anleitung von Arzt und Apotheker zuerst mit einer niedrigen Dosierung beginnen und diese kontinuierlich steigern, um sich so an den gewünschten therapeutischen Effekt heranzutasten. Anstatt sofort mit einer Dosierung zu beginnen, die eventuell zu hoch für den älteren Organismus angesetzt ist, bietet diese Herangehensweise einen sanften Einstieg in die Therapie für die Betroffenen.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

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