PROGRAMM

Samstag, 25. April 2020

Unser Fokus – gesunde Haut und ihr Schutz

Prof. Dr. Ingrid Moll
Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, Allergologie und Berufsdermatologie,
Hamburg

Die Haut ist unser größtes und schwerstes Organ mit 3,5 – 10 kg. Mit einer Fläche von zwei m2 stellt sie die Grenze zu unserer Umwelt dar und bestimmt zugleich wesentlich unser äußeres Erscheinungsbild. Aufgebaut ist sie aus drei Schichten – Epidermis (Oberhaut), Dermis (Lederhaut) und Subkutis (Unterhaut). Hinzu kommen die Haarfollikel, Drüsen und Nägel.

Die äußerste Schicht der Epidermis, das Stratum corneum stellt die wesentliche Barriere der Haut dar und wehrt das Eindringen von Toxinen, UV-Strahlen, Allergenen und Pathogenen ab. Es verhindert unter anderem den Verlust von Flüssigkeit und Eiweißen und ist auch für die Resorption von Lokaltherapeutika wichtig.

In unserer Haut entstehen – vornehmlich durch UV-Strahlen induziert – eine Reihe von Tumoren. Die Formen des hellen Hautkrebses (Plattenepithelkarzinom) leiten sich von den Keratinozyten ab, ihre Frühform sind die aktinischen Keratosen.

Aus den aktinischen Keratosen entstehen die meisten Plattenepithelkarzinome, die dann entsprechend in derselben Lokalisation vorkommen. Eine andere Form des hellen Hautkrebses stellen die Basalzellkarzinome dar, die häufigsten Karzinome des Menschen überhaupt. Auch sie werden teils UV-induziert, sind meist im Gesicht lokalisiert und kommen im höheren Lebensalter vor.

Zu unterscheiden ist das Maligne Melanom, der maligne Tumor der Melanozyten, dessen wesentliches Merkmal die frühzeitige lymphogene Metastasierung ist.

Ernährung und Hautkrankheiten: Einfluss auf Neurodermitis, Schuppenflechte und Akne

Prof. Dr. Martin Smollich
Fachapotheker für Klinische Pharmazie, Lübeck

Viele Hautkrankheiten werden durch Ernährungsfaktoren beeinflusst. In der Beratung der Betroffenen kommt es darauf an, individuelle Trigger-Faktoren zu erkennen und überrestriktive Diäten zu vermeiden. Die in der Neurodermitis-Therapie häufig angewendeten Eliminationsdiäten sind selten sinnvoll; nicht empfehlenswert sind Probiotika oder GLA-/Omega-3-Supplemente. Bei Menschen mit Psoriasis zielt die Ernährungstherapie vor allem auf die Prävention ernährungsbedingter Komorbiditäten ab. Bei Akne-Patienten kann sich eine hohe glykämische Last der Ernährung nachteilig auswirken.

Chronischer Pruritus – Ursachen und Therapie

PD Dr. Dr. Andreas Kremer, MHBA
Facharzt für Innere Medizin, Erlangen

Pruritus (Juckreiz) ist ein häufiges Symptom, welches bei zahlreichen dermatologischen sowie systemischen, neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen vorkommt. Persistiert dieses Symptom über mehr als sechs Wochen spricht man von chronischem Pruritus.

Erfahrungsgemäß stellen sich Patienten, die an chronischem Pruritus leiden, in allen Fachdisziplinen vor. Da die Ursachen vielfältig sind, sollten Patienten interdisziplinär behandelt werden. Die Identifizierung der zugrundeliegenden Ursache kann allerdings insbesondere bei multimorbiden Patienten oder Polypharmazie eine klinische Herausforderung darstellen.

Für viele Patienten ist chronischer Pruritus ein stark belastendes Symptom verbunden mit deutlich verminderter Lebensqualität. Viele Patienten leiden an Schlafstörungen, die zu Abgeschlagenheit und Tagesmüdigkeit mit stark reduzierter Leistungsfähigkeit führen. Neben diesen physischen Folgen stellen der Drang des ständigen Kratzens und dadurch bedingte Läsionen eine Stigmatisierung mit psychischer Belastung bis hin zu schweren Depressionen dar. Im Gegensatz zum Pruritus bei Hauterkrankungen liegen bei Patienten mit systemischen, neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen keine primären Hautveränderungen vor. Allerdings kann intensives Kratzen zu sekundären Hautveränderungen führen.

Auch zahlreiche Medikamente und freiverkäufliche Präparate können einen Juckreiz auslösen. Der Teufelskreis aus Jucken und Kratzen kann zu peripherer und zentraler neuronaler Sensibilisierung sowie zu einer Chronifizierung des Pruritus beitragen.
Sind für die Behandlung des Juckreizes allgemeine Linderungsmaßnahmen und topische Behandlungen unzureichend, sollte eine systemische Therapie erwogen werden. Medikamentöse Therapien richten sich nach der zugrundeliegenden Erkrankung. Auch eine UV-Behandlung der Haut kann chronischen Pruritus verbessern.

Psoriasis – nicht „nur“ eine Hautkrankheit

Dr. Verena Stahl
Apothekerin, Herdecke

Das auffällige Hauterscheinungsbild der Schuppenflechte-Patienten täuscht darüber hinweg, dass es sich hierbei um eine komplexe Systemerkrankung handelt. Die autoimmunen Prozesse können durch eine breite Palette hochwirksamer Biologika eingedämmt werden, wodurch sich nicht nur die geschundene Haut und eine eventuell vorhandene Psoriasis-Arthritis, sondern auch die mit der Krankheit häufig assoziierten Depressionen bessern und Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen minimiert werden. Psoriasis-Patienten profitieren von Ihrer Beratung zur Therapie und Erkrankung!

PROGRAMM

Sonntag, 26. April 2020

Biologische Effekte der Laser- und ästhetischen Behandlungen der Haut

Prof. Dr. Jens Malte Baron, D.A.L.M.
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Aachen

Die biologischen Wirkungen von Laser- und ästhetischen Behandlungen auf die menschliche Haut sind noch nicht vollständig verstanden, da in vitro Testsysteme bisher nicht verfügbar waren. Daher haben wir zunächst ein standardisiertes humanes dreidimensionales Vollhautmodellsystem entwickelt, das es uns ermöglicht, die Wirkung von verschiedenen ablativen und nicht-ablativen Lasersystemen sowie von ästhetischen Behandlungen wie Mikroneedling oder intrakutane Injektion von autologem konditioniertem Serum, Hyaluronsäure oder Poly-L-Milchsäure zu untersuchen.

Diese Studien zeigten, dass die Unterteilung von Lasersystemen in abtragende/nicht abtragende und fraktionierte/nicht fraktionierte Lasersysteme, die sich in der klinischen Praxis etabliert hat, gut mit den biologischen Wirkungen der Lasersysteme korreliert. Diese Effekte können durch die Wahl der Parameter, insbesondere der Pulslänge, sowie die topische Nachbehandlung mit Salben moduliert werden. In vitro-Modelle ermöglichen ein besseres Verständnis der biologischen Effekte von Laser- und Lichtsystemen sowie anderen ästhetischen Behandlungen. Jede der untersuchten Hautbehandlungsformen zeigte einen signifikanten Einfluss auf die Gen- und Proteinexpression der Hautzellen sowie ein spezifisches Muster der Genregulation in der Microarray- und GO-Analyse. Daher scheint gerade die Kombination verschiedener Formen der Laser- und ästhetischen Behandlung in der klinischen Praxis sinnvoll zu sein.

Mykosen der Haut und der Nägel – schwierig, aber heilbar

Prof. Dr. Hans-Jürgen Tietz
Facharzt für Mikrobiologie, Berlin

Freie Gesellschaften sind offen für Migration, häusliche Tierhaltung, weltweiten Tourismus und globalisierten Handel, auch mit Haustieren. Entsprechend rasant verändert sich das Erregerspektrum mit einer Vielzahl neuer bzw. vormals seltener Erreger. Sofern die Diagnose stimmt, kann jedoch jede Mykose geheilt werden, wie fremd der Erreger oder wie hartnäckig die Infektion auch sein mag.

Dermatika – die Formulierung macht’s

Prof. Dr. Rolf Daniels
Apotheker, Tübingen

Die Pharmakotherapie von Hauterkrankungen erfolgt auch im Zeitalter der Biologics überwiegend mit Lokaltherapeutika. Dabei werden Wirksamkeit und Verträglichkeit nicht nur vom Wirkstoff, sondern auch stark vom Trägersystem geprägt.

So kann das Vehikel selbst sowohl erwünschte als auch unerwünschte Wirkungen entfalten und zum Beispiel die Barrierefunktion der Haut steigern oder auch stören. Neue Formulierungskonzepte sollen Applikation und Verträglichkeit sowie die dermato-biopharmazeutischen Eigenschaften optimieren. Ob verschiedene Zubereitungen als vergleichbar einzustufen sind oder nicht, wird neben der komplexen Galenik auch durch die wenig differenzierende Bezeichnung der Darreichungsform entsprechend der Standardterms erschwert.

Bildnachweis: Apothekerkammer Niedersachsen