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Beratung von Flüchtlingen in der Apotheke

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10. Niedersächsischer Apothekertag

Gleichpreisigkeit erhalten, Patientenschutz sichern

Hannover, 10. März 2019 – Am 9. und 10. März 2019 trafen sich Apotheker, Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) und Pharmazeuten im Praktikum aus ganz Niedersachsen zum 10. Niedersächsischen Apothekertag in der Landeshauptstadt Hannover. Zum Kongress sind rund 500 Besucher ins Hannover Congress Centrum (HCC) gekommen.

Eröffnet wurde der größte Apothekerkongress Niedersachsens von Dr. Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, und Stefan Schostok, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover. Veranstalter des Niedersächsischen Apothekertages waren die Apothekerkammer Niedersachsen und der Landesapothekerverband Niedersachsen e.V. (LAV).

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann betonte in ihrer Rede die Rolle der Apotheken vor Ort in der Gesundheitsversorgung in Niedersachsen: „Apotheken sind als Schnittstelle zwischen Arzt und Patient wichtige Pfeiler der Gesundheitsversorgung. Sie sind Garant für eine flächendeckende Arzneimittelversorgung. Für die Menschen in den ländlichen Regionen Niedersachsens hat ihre Apotheke noch einmal eine ganz besondere Bedeutung. Genau deswegen ist es der niedersächsischen Landesregierung wichtig, diese Strukturen bei guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu erhalten. Dafür setzen wir uns, auch vor dem Hintergrund der derzeit auf Bundesebene geplanten Gesetzesänderungen, ein.“

„Die Apotheke vor Ort hat eine soziale Funktion“, sagte der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover Stefan Schostok. „Patienten wissen, dass sie dort Probleme ansprechen können und fachgerecht beraten und umsorgt werden – und das direkt um die Ecke.“

Gastgeber Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des LAV, sprach die ausstehende Antwort von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf die von der Apothekerschaft vorgeschlagenen Änderungen des „Spahn-Pakets“ an. „Für uns ist es eine Hängepartie, denn zurzeit heißt es `still ruht der See´. Ich hoffe, dass das Bundesgesundheitsministerium diese Zeit nutzt und unsere Vorschläge intensiv prüft. Wir fordern weiterhin: Keine Ausnahmeregelungen für europäische Arzneimittelversender und eine vollständige Wiederherstellung der Gleichpreisigkeit für alle zum Wohle der Patienten. Nur auf diese Weise kann die flächendeckende Arzneimittelversorgung durch Apotheken vor Ort gesichert werden.“

Gastgeberin Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, verlangte bessere Perspektiven für den Berufsstand: „Die qualitative Weiterentwicklung der Arzneimittelversorgung und deren Honorierung hat für uns eine sehr hohe Priorität. Die Apotheker leisten schon heute einen wesentlichen Beitrag, um die Arzneimitteltherapie sicherer zu machen und weiter zu verbessern. Angesichts einer alternden Bevölkerung, den täglichen Lieferengpässen und der wachsenden Zahl hochkomplexer Therapiemöglichkeiten wird die Expertise qualifizierter Apotheker immer wichtiger. Und die Apotheken vor Ort müssen dafür wirtschaftlich gestärkt werden. Ich erneuere deshalb unser Dialogangebot: Wir sind bereit, pharmazeutische Dienstleistungen „on top“ anzubieten. Doch diese müssen auch „on top“ vergütet werden. Und wir pochen auf den Koalitionsvertrag: Darin sichern CDU und SPD zu, sich für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln einzusetzen. Führende Gutachter haben bestätigt, dass dies europa- und verfassungsrechtlich machbar ist. Doch nichts geschieht – weil solch ein Verbot derzeit politisch nicht gewollt ist. Angesichts der Aufforderung der Europäischen Kommission an die Bundesregierung, die Preisbindung bei Rx-Arzneimitteln für ausländische Versender aufzuheben, ist politisches Handeln zwingend erforderlich, um die Wettbewerbsgleichheit wiederherzustellen.“

Einer der Höhepunkte der Jubiläumsveranstaltung des Niedersächsischen Apothekertages war der Festvortrag „Irren ist nützlich“ von Dr. Henning Beck. Der Neurowissenschaftler zeigte, warum die vermeintlichen Schwächen des Gehirns Stärken sind und die wahre Denkpower manchmal im Denkfehler steckt. Des Weiteren setzte sich Apotheker Prof. Dr. Gerd Glaeske mit der Frage „Was macht eine gute Apotheke aus?“ auseinander. Beide Vorträge standen am zweiten Kongresstag auf dem Programm.

Am ersten Kongresstag berichtete Apothekerin Martina Dreeke-Ehrlich über die „Rezepturarzneimittel im Jahr 2019“. Kommunikationsdozentin Corinna Bäck gab in „Der Kunde – Das unbekannte Wesen“ gezielte Rhetorik-Tipps, wie Patienten in der Apotheke typgerecht beraten werden können. Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Facharzt für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie sprach über erfolgreiche Therapien bei der Diagnose Hepatitis. Das Thema „Schlaganfall“ stand bei dem Vortrag von Prof. Dr. Karin Weißenborn im Mittelpunkt. Am Samstagnachmittag sprachen die Dermatologin Prof. Dr. Claudia Pföhler über „Chronisch entzündliche Erkrankungen der Haut und deren Therapien“ und Prof. Dr. Theodor Dingermann über die „Stratifizierte Medizin – Das ignorierte Genom“.

Am zweiten Kongresstag stellte Prof. Dr. Martin Südmeyer, Facharzt für Neurologie, Therapiemöglichkeiten für Morbus Parkinson-Patienten vor (Vortrag „Morbus Parkinson und Therapie“). Um Medikamentenabhängigkeit ging es bei dem Vortrag „latrogene Sucht: Abhängigkeit auf Rezept“ von Prof. Dr. Anil Batra, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Neben den Fachveranstaltungen war die große Pharmazeutische Ausstellung des Niedersächsischen Apothekertages mit rund 60 Unternehmen ein Anziehungspunkt für die Besucher.

Abseits des Fachprogramms konnten die Besucher vieles in der Landeshauptstadt unternehmen, zum Beispiel eine Fahrt in einem Oldtimerbus oder ein Besuch im Sprengel Museum Hannover.

Seit 2001 richten LAV und Apothekerkammer Niedersachsen alle zwei Jahre ein Wochenende mit praxisbezogenen Fortbildungsangeboten und aktuellen berufspolitischen Themen in verschiedenen Orten Niedersachsens aus. In Hannover fand der Niedersächsische Apothekertag zum ersten Mal statt. Veranstaltungsorte des Fortbildungskongresses waren neben Hannover bereits Goslar, Papenburg, Braunschweig, Hameln, Gifhorn, Osnabrück, Wolfsburg, Stade und Celle.

Pressekontakt:
Landesapothekerverband Niedersachsen e.V.
Anke Witte und Tanja Bimczok
Telefon: 0511 61573-44/-26
E-Mail: a.witte@lav-nds.de/ t.bimczok@lav-nds.de

Apothekerkammer Niedersachsen
Anja Hugenberg
Telefon: 0511 39099-31
E-Mail: a.hugenberg@apothekerkammer-nds.de


Von links: Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Stefan Schostok, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Dr. Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung und Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen e.V.


Von links: Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen und Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen e.V.

 

Bildnachweis: LAV Nds./ Apothekerkammer Nds./ Stamm